Gedanken

 

Noch weiter in die Idee der Porträtierung hominiden Verhaltens gerannt. Hirnphysiologisch ist Gesichtsanschauung – sei es in echt oder virtuell – die nuanzierteste Sichtung, zu der ich Individuum fähig bin, wobei unser Hirn Umgebung ohne Unterlass scannt, auf Gesichter hin. Und ich male Gesichtnuancen, die dann Wegweiser sein könnten zu Nichtmateriellem.

 

Grenze zwischen Mensch- und Nichtmensch-Materie ist Hautgewebe. Diese Körpermaterie ist Hülle. Eigenes Kranksein ergbit malerisch brauchbaren Stress. Es gibt unendlich viele Möglichkeiten, Hüllen zu malen.

 

Das Bild «ATOMROT» oder «WEIL SIE MENSCHEN SIND UND SICH ALS SOLCHE BEGEGNEN» (Nr. 204; 555 cm Breite / 240 cm Höhe, Öl auf Leinen/Baumwolle) versuche ich bis Frühjahr 2018 fertigzustellen. Es ist Teil der Mal-Idee von menschlichen Schlachtvorgängen. Da werden Gesichter, Köpfe mit Umgebung durch humanes aggressives Verhalten («Schlachtungen») deformiert und Gesichter werden zu kaleidoskopoiden Phänomenen. Interindividuelle und interstaatliche Schlachtungen sind humanbiologisches, physiologisches (und schreckliches) Verhalten.

 

Zukünftig will ich solche Porträts auf Metall malen, vorerst auf reines Aluminium, das häufigste Element nebst Silizium und Sauerstoff der Erdkruste. Die Bemalung erfolgt vorerst mit Alkydharz, beginnend ab Herbst 2017 (vgl. «Werke 2017 – ...» / Nummerierung ab 400).

 

Gleichzeitig will ich die «LAGERFEUER»-SZENERIEN (vgl. «WERKE 1999 – 2004») reanimieren. Menschen sitzen um Lagerfeuer, weil die Schutz, Wärmung, Sozialbindung, Nahrungshilfe, Schlachtplanung, Besinnung und anderes mehr bedeuten und erleichtern. Die Gesichtsdarstellung durch drei rundliche Strukturen und die Darstellung sitzender Hominiden durch eine rundliche Struktur mit zusätzlicher zweikurviger Linie benutze ich seit 1995. Das initiale Bild diesbezüglich ist Nr. 1 (B), «CUPIDO-RATIO». (ab 2017: Nummeriung ab 300)

 

Arthur Jehle, Juli 2017

 

 

Assoziationslust des Betrachters ist wichtig. Landschaft- und Vegetationsabstraktionen bislang. Porträts noch dieses Jahr geplant.

 

Neue menschliche und unmenschliche Reiseerfahrungen gemacht. Also: Neue Form- und Farbgeschichten.

 

Im September/Oktober 2015: "BBKL-TRIENNALE"

 

Arthur Jehle, Januar 2015

 

 

Malen ist gleichzeitig gewollte Aktivität und nicht beeinflussbares Geschehen. Materialien, Strukturen, Farben kommen in teils gewollter, teils zufälliger Zusammensetzung ins Bild. Das Bild beinhaltet Spuren individueller Intention. Intention ist es, Verständnis für die Dinge der Welt zu finden. Man malt Sachen, die oft nicht sagbar, aber malbar sind. Durch Malen sind diese Dinge manchmal findbar, wir sind visuell orientierte Wesen.

 

Neuropsychologisch begründbare Neugier des Malers und des Betrachters auf das Bildergebnis stehen einer ebenso gewichtigen und begründbaren oft zitierten Sorge der beiden vor dem gemalten Neuland gegenüber. Dieses kann entdeckt und gesehen werden, wie alles unbekannte kann es auch orientierungslos machen. Oder es kann ein oft zitiertes Gefühl der Hoffnung, ein Wohlgefühl bewirken.

 

Das Credo, Kunst habe gewohnte physiologische Regeln und Sichtweisen von Sozietäten durch Gegenentwürfe zu ergänzen oder zu erschüttern wird heute überstrapaziert. Diese wichtige Idee ist zur stereotypen absoluten Wertigkeit verkommen. Als Quereinsteiger kann ich ungestraft dem Arbeiten in Grenzbereichen dieses Kunstbegriffes frönen. Grenzbereiche, wo kulturelle Evolution stattfindet, sind immer spannend zu erforschen. Das gilt für alle Sparten der Sozietät, auch für die Spielregeln der Kunst im allgemeinen, wie auch der Malerei.

 

Wie für viele andere ist Malen für mich etwas wie wissenschaftliches Forschen. Nach endlosen Versuchsreihen sieht man Spuren von Gesuchtem oder Unerwartetem. Dabei ist konzeptionelles Vorgehen überaus wichtig. Es muss vorrangig um Inhalte gehen. Und im besten Fall formen der Inhalt einerseits und das Bild als Mittel zur Forschung andererseits zusammen ein neues Ding.

 

Um das Zufällige beim Malen besser zu sehen, untersuche ich verschiedene Applikationsweisen der Farbe. Seit Sommer 2012 benutze ich Ölfarbe, die ich mittels spezieller Airbrush-Technik appliziere.

 

Für 2014 ist eine Ausstellung in Li mit grossformatigen abstrakten Bildern geplant.

 

Arthur Jehle, 2013